Villa

Der Begriff “Villa” kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet Landhaus oder Landgut. Villa bezeichnet in den meisten Fällen ein freistehendes Einfamilienhaus in ländlicher Umgebung, welches immer mit einer Grünfläche umgeben ist.
Villen wurden aber nicht – ganz anders als Bauernhäuser – für die Landwirtschaft verwendet. Villen dienten viel eher als Ausgleich für die Wohlhabenden zum hektischeren Stadtleben.
Eine Villa ist repräsentativ für einen gehobenen Lebensstil und somit ist der Begriff Villa auch mit Positivem in Verbindung.
In den letzten Jahren wird der Begriff aber auch aufgrund von Werbezwecken für Einfamilienhäuser verwendet, welche eine gehobene Ausstattung mit sich bringen.

Villen im alten Rom
In der römischen Zeit wurde eine Villa vor allem mit sehr verschwenderischem Luxus eingerichtet. Villen in der Stadt nannte man damals “Villa urbana” und im Gegenzug dazu nannte man eine Villa in der Vorstadt – also in einer Stadtnahen Lage – “Villa suburbana”. Am Land hingegen fand man Villen oft in Verbindung mit Obstgärten, Weingärten oder Ähnlichem. Diese diente dann als prunkvolles Wirtschaftshaus und nannte sich “Villa rustica”. Im Normalfall hatte ein wohlhabender Römer gleich mehrere Villen.

Villen in Italien
Seit dem 14. Jahrhundert wurde der römische Stil von den Italienern, im selben verschwenderischen Ausmaß, wieder aufgenommen. Eine Blütezeit der Villenbauten wurde in der Renaissance und im Barock erreicht. Zu dieser Zeit bauten die besten und berühmtesten Architekten die schönsten und prächtigsten Villenanlagen.

Andrea Palladio wurde einer der berühmtesten Architekten im Villenbau. Die von ihm gebaute “Villa Almerico” – oder auch bekannt als “la Rotonda” gilt bis heute als die idealste Bauform einer Villa in der Renaissance.

Villen im 19. Jahrhundert
Der zunehmende Wohlstand des Bürgertums lies die Nachfrage an Villenbauten rapide ansteigen. Villen waren noch immer das Zeichen vom höchsten Lebensstatus. Villen dienten mit ihrer großzügigen Wohnfläche viel Platz für die Familie und für das Personal. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden so viele Villen gebaut, dass ganze Vororte – sogenannte Villenkolonien – aus Villen entstanden. Bei der Planung solcher Villenkolonien wurden luxuriöse Plätze, großzügige Alleen und repräsentative Parkanlagen errichtet. Dadurch wurde der Villenbau zu einem wichtigen Zweig der Architekturkunst im 19. Jahrhundert.

Charakteristische Eigenschaften für Villen waren – und sind auch heute noch – prachtvolle Vorgärten, offene Balkone und Türme, welche möglichst malerisch zur Umgebung geplant wurden.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstand dann die neuartige Bauform der Doppelvilla. Elemente der Stadtvilla und der Landvilla wurden kombiniert und brachten nun Platz für zwei Familien. Ein separates Treppenhaus trennte die Villa.

Villen im 20. und 21. Jahrhundert
Anfangs vom 20. Jahrhundert erlebte der Villenbau noch einmal einen Boom, welcher jedoch mit dem ersten Weltkrieg schlagartig endete. Die letzten Villen wurden in deutschen und österreichischen Städten gebaut. Danach wurden die Häuser – aufgrund der steigenden Armut und der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage – jedoch kleiner und weniger prunkvoll gebaut.
Nach dem zweiten Weltkrieg spielte die Villa nur noch eine kleine Rolle in der Bauweise dieser Zeit. Erst als man damit begann die alten, historischen Villen zu renovieren erlebte der Villenbau einen neuen Höhenflug. Dieser Höhenflug hält auch heute noch an – jedoch werden heute freistehende Einfamilienhäuser, die großzügiger ausgestattet sind – vermehrt als Villen bezeichnet um einen positiven Werbeeffekt herbeizuführen.